Kontakt & Infos

Johannes Klais Orgelbau GmbH & Co. KG
Kölnstraße 148
53111 Bonn
Tel.: +49 228 98240-0
Fax: +49 228 98240-30
Website, E-Mail
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Orgelbau Klais in Bonn

Foto einer teilzerlegten OrgelIn einem unscheinbaren Backsteingebäude mitten in einer belebten Straße Bonns entstehen Orgeln von Weltrang. Verbaut werden dabei die gleichen Materialien wie vor 300 Jahren - und das ist vor allem eines: Holz.

Seit vier Generationen werden hier herausragende Orgeln gebaut. Viele Arbeiten sind dabei gleich geblieben, erläutert die Website des Unternehmens:

"In der Schreinerei entstehen Windladen, gleich nebenan werden Holzpfeifen verleimt und gehobelt. Überall in der Werkstatt herrscht Emsigkeit, überall ist Bewegung. Hobel gleiten über Holz, Späne fliegen, Fasfeilen schneiden sich singend ins Zinn. Der Orgelbau ist eine Kunst, die in verschiedenen Materialien zuhause ist."

Foto HolzlagerLeder und Zinnlegierungen, vor allem aber Holz sind die Zutaten:

"Eigentlich ist alles an einer Orgel Holz", erklärt ein Mitarbeiter und tatsächlich: wohin man in den Werkstätten auch sieht, man erblickt immer Holz: Das beginnt bei raumhohen Pfeifen und Schwellwänden, setzt sich fort bei den Spieltischen und Windladen und endet bei winzigen Holzpfeifchen und filigranen Zügen - den Abstrakten - die die Klaviatur mit den Ventilen verbinden. Denn auch die Mechanik wird zum größten Teil aus Holz gefertigt.

Foto hölzerner ZügeDabei setzt Klais wo immer möglich auf heimisches Holz. und so liegen im eigenen Holzlager hinter den Werkstätten beispielsweise Eiche aus ausgesuchten deutschen Standorten, z. B. aus Berglagen. Denn die Eichen müssen langsam gewachsen sein, damit ihr Holz besonders fest und dicht ist.

Foto WerkstattSchließlich sind Orgeln keine kurzlebigen Werke, sie werden für Generationen gebaut und müssen sich "dem Urteil der Geschichte stellen", so Klais. An die Qualität des Holzes werden daher höchste Ansprüche gestellt.

Neben Eichen werden hier auch andere Hölzer wie Fichte oder Kirsche sorgsam abgelagert. Es findet sich auch noch ein halber Stamm Ebenholz, der aus einer zurückliegenden Restaurierung übrig geblieben ist. Nachgekauft wird Tropenholz nicht: "Tropisches Holz setzen wir praktisch gar nicht mehr ein, nur noch wenn es bei Restaurationen notwendig ist", erläutert Produktionsleiter Windelen.

Foto eines Satzes von HolzpfeifenOrgelbau ist keine Standardarbeit - jedes Instrument ist eine Individuallösung. Ausgehend vom Raum oder - wenn dieser erst noch gebaut wird, von der Konzeption des Raumes - wird in jedem Fall eine individuelle Lösung entworfen.

Dabei spüren die Orgelbauer auch den jeweiligen kulturellen Besonderheiten nach. So heißt es auf der Klais-Website:

Menschen werden durch klimatische Bedingungen, Landschaft, Religion, Kunsttradition und viele andere Faktoren geprägt. Und ebenso ist eine Orgel eingebettet in ein breites Umfeld, eingeflochten in ein vielschichtiges Netzwerk von Gegebenheiten. Eine gute Orgel muss in diesem Netzwerk ihren Platz finden.

Die hohe Qualität der so entstandenen Instrumente begründet den Weltruhm des Unternehmens. So finden sich Klais-Orgeln in Ländern rund um den Globus. Aktuell entstanden und entstehen beispielsweise Instrumente für die Wallfahrtskirche El Pilar in Zaragoza, das "Sistema de Orquesta Juvenil e infantil" von Venezuela, die Seoul Presbyterian Church in Korea, die Symphony Hall zu Birmingham, das neue erbaute Chinese National Grand Theatre in Beijing - um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Foto Holzpfeife (Detail)Eine Kuriosität ist das Instrument für die Overture Hall in Madison/USA: Weil der Saal auch als Opernhaus genutzt wird, installierte das Klais-Team eine Orgel, die auf Schienen rund 10 m in den Saal gefahren wird.

Spektakulär ist auch ein deutsches Projekt der Bonner Orgelbauer: Die Elbphilarmonie, die mit Geldern einer Bürgerstiftung derzeit auf dem Rumpf eines alten Speichergebäudes in der Hamburger Speicherstadt errichtet wird, wird ebenfalls mit einer Klais-Orgel ausgestattet werden.

Die große Erfahrung des Unternehmens, das in vierter Generation nun vom Urenkel des Firmengründers geleitet wird, ist die Basis des zweiten Standbeines - der Restaurierung. Die alten Orgeln, die den Orgelbauern hierfür anvertraut werden, haben meist eine individuelle Geschichte. Nicht selten wurde über Jahrzehnte an Wartung und Pflege gespart und so zeigen sich die Instrumente in entsprechendem Zustand. Das Klais-Team ist sich auch hierbei seiner Verantwortung bewusst:

Foto einer SchwellwandBei allen Restaurierungsarbeiten wird versucht, den Intentionen des ursprünglichen Erbauers nachzuspüren. Das ist meist nicht einfach, da viele Instrumente in ihrer Geschichte mehrfach überarbeitet und umgestaltet wurden.

Manchmal findet im Rahmen eines Restaurierungsauftrages mittlerweile auch eine Klais-Orgel den Weg zurück in die Werkstätten in der Bonner Kölnstraße. Dann werden aus dem Unternehmensarchiv die vergilbten Aufzeichnungen herausgesucht und Philipp C. A. Klais zerlegt vorsichtig das Werk seines eigenen Urgroßvaters, um es zu bewahren, zu reparieren oder auch auszubauen. Denn oft gilt es, bei der Überarbeitung alter Orgeln diesen zusätzlich auch noch 'neue Töne beizubringen', wenn bei der Restaurierung zusätzlich auch die Disposition verändert oder erweitert werden soll.

Foto einer KegelladeOrgeln sind nicht nur Instrumente - wie alte Spitzengeigen sind sie Kunstwerke, die in und mit dem Raum wirken, für den sie entworfen und gebaut wurden. Geschaffen werden können solche Werke nur von Menschen, die sich ganz dieser kulturellen Herausforderung verschrieben haben und es dank großen handwerklichen Könnens verstehen, Holz zum Klingen zu bringen. Ein letztes Zitat von der Unternehmenswebsite bringt es auf den Punkt:

"Orgel und Raum - Werkstatt und Orgel - ganzheitliches Denken und Fühlen vom gefällten Baum bis hin zu dem, den Raum mit Musik erfüllenden, Choralvorspiel: Respekt gegenüber dem Gesamtkunstwerk."